Ausgabe Kaiserstuhl
Bilanz des Geschäftsjahres 2007/08
WG Oberbergen hatte zu wenig Wein im Keller
Die erfolgsverwöhnte Winzergenossenschaft Oberbergen musste im Geschäftsjahr 2007/08 (1. Juli bis 30. Juni) etwas kürzer treten. Der Grund: Es lag zu wenig Wein im Keller. Deshalb sank der Absatz um 14 Prozent auf 2,72 Millionen Liter.
VOGTSBURG-OBERBERGEN. Weil der Durchschnittserlös je Liter Wein jedoch von 2,72 auf 2,95 Euro erhöht werden konnte, ging der Umsatz nur um 6 Prozent auf 8,1 Millionen Euro zurück. Die Auszahlung an die Winzer verringerte sich, liegt aber weiterhin im Spitzenbereich des Kaiserstuhls.
Wie Geschäftsführer Rolf Hofschneider in der Jahreshauptversammlung berichtete, stiegen die Kosten ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau um 28 Cent je Liter und belasteten das Ergebnis somit spürbar. Zum 30. Juni 2008 betrug der Weinvorrat 2,7 Millionen Liter, was rechnerisch 12 Verkaufsmonaten entspricht. Die weißen Sorten sind immer noch knapp, Rotwein gibt es dagegen genügend. Hofschneider appellierte, hier mehr Gelassenheit zu zeigen. Man werde den "Rotweinmarkt weiterhin offensiv angehen", versprach er. So wird in Kürze unter der Bezeichnung "Rotweinserenade" ein neues, hochwertiges Cuvée auf den Markt gebracht. Auch die Reduktion der Erntemenge durch Traubenteilung hat sich laut Hofschneider bewährt. Die daraus resultierende "TT-Linie" mit ihrer außergewöhnlichen Qualität sei gut angelaufen. Bedauerlich sei, dass der Großkunde TUI die bezogenen 0,25-Liter-Flaschen von Spät- auf Grauburgunder umstellen möchte.
Wenig Veränderungen bei der Sortenstruktur
Die Sortenstruktur zeigt sich gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. 35,5 Prozent der eingelagerten Trauben entfielen auf die Rebsorte Müller-Thurgau, 30 Prozent auf Spät-, 22 Prozent auf Grau- und 7,5 Prozent auf Weißburgunder. Auch bei den Abnehmergruppen änderte sich wenig. 40 Prozent des Absatzes erfolgten an Fachhandel und C & C-Märkte, 39 Prozent wurden an den Lebensmitteleinzelhandel einschließlich Discounter geliefert, 7 Prozent an die Gastronomie und 14 Prozent direkt an die Endverbraucher. Bei den Gebindegrößen macht die 0,75-Liter-Flasche mittlerweile 48 Prozent des Absatzes und sogar 62 Prozent des Umsatzes aus. Während die Sonderfüllungen im Berichtszeitraum eher stagnierten, erhöhte sich der Absatz bei den 0,25-Liter-Flaschen von 85 000 auf 113 000. Die 459 Mitglieder bewirtschafteten eine Ertragsrebfläche von 336 Hektar. Sowohl Hofschneider als auch Friedrich Schill, Vorstandsvorsitzender der WG, bedankten sich bei den Winzern für ihre disziplinierte, engagierte Arbeit im Weinberg. Wenngleich diesmal keine neuen Rekordzahlen präsentiert werden konnten, wendet sich der unternehmerische Blick bereits wieder optimistisch nach vorn. Die Weinlese 2008 war lang, verlief angenehm und erbrachte mit 91 Liter je Ar (3,2 Millionen Liter insgesamt) einen höheren Ertrag als im Vorjahr ? und das bei guten Qualitäten. Zuletzt wurde am 4. Januar 2009 eine Ruländer Trockenbeerenauslese mit 170 Grad Öchsle eingelagert. Kellermeister Wolfgang Schupp charakterisierte die jungen Weine als frisch und lebendig mit idealem Säuregehalt.
Stolz ist die WG Oberbergen wieder auf zahlreiche Auszeichnungen. Unter anderem wurde auf Landesebene eine Top-10-Platzierung erreicht und ein Grauburgunder Kabinett siegte laut der Zeitschrift Weinwirtschaft in der Kategorie "Deutsche Genossenschaften Weißwein".
Kräftiges Umsatzplus in den vergangenen 6 Monaten
Die ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahres weisen nach Angaben von Hofschneider eine Steigerung von 10 Prozent bei Absatz und Umsatz auf. Es soll weiterhin sinnvoll investiert werden, um den Betrieb wettbewerbsfähig zu erhalten. Um ein deutliches Signal zu setzen, haben Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, künftig auf den Einsatz von Pestiziden zu verzichten und stattdessen auf der gesamten Fläche mit Pheromonen zu arbeiten. Es wurde bereits Kontakt zu den übrigen Weinerzeugern auf den Gemarkungen Oberbergen und Schelingen aufgenommen. Diese Gesprächspartner hätten die Initiative der WG ausdrücklich begrüßt.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Kilian Schneider bedankte sich im Namen aller Winzer für die hervorragende Arbeit des gesamten WG-Teams. "Die Mitarbeiter um Rolf Hofschneider können vieles, aber nicht die Erntemengen erhöhen", erinnerte er an den Hauptgrund für das rückläufige Ergebnis. Auch Verbandsprüfer Olaf Stockmann bezeichnete die WG Oberbergen als Spitzenbetrieb mit überdurchschnittlicher Ertragskraft. Von der Kostenexplosion in den Bereichen Energie, Glas und Verpackung könne man sich auch hier nicht abkoppeln. Doch die WG arbeite äußerst kostenbewusst und befinde sich daher in einer komfortablen Situation, um auch die künftigen Herausforderungen zu bewältigen.