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20.01.2007:
Badische Zeitung

Ausgabe Kaiserstuhl

Badische Zeitung vom Samstag, 20. Januar 2007
Das Jahr der großen Gegensätze
Gute Bilanz, gelungener Neubau und ein Großbrand ?die Winzergenossenschaft Oberbergen hat eine aufregende Zeit hinter sich

Von unserem Redakteur Gerold Zink

VOGTSBURG-OBERBERGEN. Die Winzergenossenschaft Oberbergen hat im Geschäftsjahr 2005/2006 (1. Juli bis 30. Juni) ein sehr gutes Ergebnis erzielt, obwohl Weinverkauf, Umsatz und die Traubengeldauszahlung an die Mitglieder leicht gesunken sind. Insgesamt war 2006 für die Genossenschaft ein überaus ereignisreiches Jahr. Der Einweihung des neuen Verkaufsgebäudes im Juli folgte im Dezember ein Großbrand, dem unter anderem die Verpackungshalle zum Opfer fiel.

Verkauft hat die WG Oberbergen nach Angaben von Geschäftsführer Rolf Hofschneider insgesamt 3,05 Millionen Liter Wein, 2 Prozent weniger als im Vorjahr. Da der Durchschnittserlös je Liter leicht von 2,70 auf 2,68 Euro fiel, verringerte sich der Rekordumsatz des Vorjahres von 8,5 auf 8,2 Millionen Euro (- 3 Prozent). Die Traubengeldauszahlung an die Winzer sank um 2,5 Prozent, befindet sich aber immer noch im oberen Drittel der badischen Betriebe und mit an der Spitze der Kaiserstühler Genossenschaften.

Die Kosten konnten noch einmal um 2 Cent je Liter gesenkt werden und liegen fast 40 Cent unter dem Kaiserstühler Durchschnitt. Die Ertragsrebfläche blieb mit 329 Hektar unverändert, die Mitgliederzahl verringerte sich leicht von 453 auf 452.

39 Prozent seiner Weine verkauft das Unternehmen an den Lebensmittelhandel und an Discounter (Vorjahr 38 Prozent), rund 40 Prozent an Fachhandel, Gastronomie und C&C-Märkte. Der Absatz an den Endverbraucher ist von 15 auf 13 Prozent gesunken. Auf 58 Prozent der Rebfläche wachsen in Oberbergen Burgunderreben (30 Prozent Spätburgunder, 22 Prozent Ruländer, 6 Prozent Weißburgunder). Der Anteil des Müller-Thurgau ist von einst über 50 auf 36 Prozent gefallen, soll sich aber nach dem Willen der Verantwortlichen nicht noch weiter verringern. Müller-Thurgau sei mittlerweile wieder gefragt, wenn auch die Preise für die Sorte besser sein könnten. Rotwein gebe es dagegen in Baden genug.

Der Herbst 2005 hatte 3,9 Millionen Kilogramm Trauben in den Keller gebracht. Die Weinvorräte lagen zum 30. Juni 2006 bei 3,1 Millionen Litern und entsprechen etwa 12 Verkaufsmonaten.

Das neue Geschäftsjahr hat laut Hofschneider sehr gut begonnen. Zum Jahresende seien der Weinverkauf um 6 und der Umsatz sogar um 10 Prozent gestiegen. Erstmals habe man auch 7000 Flaschen in die USA geliefert, weitere würden voraussichtlich folgen.

Der Großbrand im Dezember und seine Folgen habe alle Mitarbeiter vor große Probleme gestellt. Mit fast unmenschlichem Einsatz hätten dennoch alle Kundenwünsche erfüllt werden können.

Leider sei die Erntemenge des Herbstes 2006 mit 2,8 Millionen Litern deutlich unter den Erwartungen geblieben. Beim Weißwein seien deshalb Engpässe zu erwarten, beim Rotwein sei die Bestandslage dagegen ideal. Die zum Teil deutlich unterschiedlichen Erntemengen der vergangenen Jahre erschwerten die Absatzplanung des Betriebes enorm.

Mit dem Neubau, der von vielen als sehr gelungen gelobt werde, sei die WG Oberbergen bei der Präsentation ihrer Weine "in der Neuzeit angekommen" . Voraussetzung für gute Geschäfte sei jedoch nach wie vor eine gute Weinqualität, daran führe kein Weg vorbei. Darüber hinaus gelte es, weiter Aufklärungsarbeit zu leisten. "Solange die Deutschen die teuersten Küchen Europas besitzen und darin das mit Abstand billigste Essen zubereiten, brauchen wir nicht großartig über Weinphilosophie und Terroir zu diskutieren" , betonte der Geschäftsführer.

Der Vorstandsvorsitzende Friedrich Schill sprach "von einer historischen Stunde" . Zum ersten Mal finde die Jahreshauptversammlung der Genossenschaft im neuen Verkaufsgebäude statt. Das Geschäftsjahr 2005/2006 sei durch den Neubau, "mit dem wir in die Zukunft investiert haben" , geprägt gewesen. Das Bauwerk sei sehr gelungen und der Kostenrahmen von 2,9 Millionen Euro habe eingehalten werden können. "Die Oberbergener Sparsamkeit wachte bei allen Entscheidungen" , sagte Schill. Außerdem seien noch neue Rotwein-Maischegärtanks für 212 000 Euro angeschafft worden.

Der Vorstandsvorsitzende dankte allen, die mit großem Engagement an dem Neubau mitgewirkt hatten. Leider habe das durch Brandstiftung ausgelöste Feuer in der Kartonagehalle in der Nacht zum 1. Dezember die Freude etwas getrübt. Die Halle werde sobald als möglich wieder aufgebaut.

Schill kritisierte andere Winzergenossenschaften, die der gemeinsamen badischen Weinwerbung den Rücken kehren, deutlich. Er forderte die Betriebe auf, ihre Entscheidung wieder rückgängig zu machen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Kilian Schneider wies darauf hin, dass für den Neubau insgesamt 121 Sitzungen und Besprechungen nötig waren. Er dankte besonders Schill und Hofschneider für ihren großen Einsatz. Das "Jahr der Gegensätze" , in dem frohe und dunkle Stunden nahe beieinander lagen, habe allen Mitarbeitern viel abverlangt.

Kellermeister Wolfgang Schupp sprach von einer "schnellen, hektischen, aufregenden und arbeitsintensiven Ernte 2006" . Es sei richtig gewesen, beim Müller-Thurgau den Vollernter einzusetzen und ihn bei den Burgundersorten zu verbieten. Im Herbst 2007 brauche der Betrieb dringend Spätlesen in allen Sorten.

Die Weißweine des Jahrgangs 2006 präsentierten sich "frisch, lebendig und fruchtbetont" und wiesen eine ideale Säure auf. Die Rotweine seien kräftig und von feinen Fruchtkomponenten geprägt.


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