Ausgabe Sa. 14.01.2006
Oberbergener Winzer bekommen mehr Geld
Rückblick auf ein erfolgreiches Jahr: Winzergenossenschaft freut sich über Absatzsteigerung / Im Juli soll das neue Verkaufsgebäude eingeweiht werden
Von unserer Mitarbeiterin Christina Fässler
VOGTSBURG-OBERBERGEN. Auch das Geschäftsjahr 2004/2005 (1. Juli bis 30. Juni) verlief für die Winzergenossenschaft Oberbergen sehr erfreulich, wie in der Jahreshauptversammlung am Donnerstagabend deutlich wurde. Das zeigte sich auch an der Höhe der Auszahlung an die Winzer: Diese konnte um 600 Euro pro Hektar erhöht werden, womit sich der Betrieb laut Geschäftsführer Rolf Hofschneider auf hohem Niveau bewege.
Die Genossenschaft verkaufte im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 3,1 Millionen Liter Wein, was einer Absatzsteigerung von rund 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Da der Durchschnittserlös pro Liter Wein allerdings von 2,81 auf 2,68 Euro fiel, stieg der Umsatz um nur etwa ein Prozent auf rund 8,5 Millionen Euro.
Die Zahl der Mitglieder erhöhte sich von 450 auf 453, die Ertragsrebfläche vergrößerte sich leicht von 327 auf 329 Hektar. Auf 53 Prozent der Fläche werden Burgundersorten angebaut (18 Prozent Ruländer, 6 Prozent Weißburgunder und 29 Prozent Spätburgunder). Im Vorjahr machten die Burgundersorten noch 56 Prozent aus. Auch der Anteil von Müller-Thurgau wurde verringert, von 40 auf 36 Prozent. Der Anteil der anderen Rebsorten hingegen, darunter Silvaner und Muskateller, erhöhte sich von vier auf elf Prozent.
Der Anteil der größten Abnehmergruppe, zu der der Fachhandel und die Gastronomie zählen, sank von 50 Prozent im Vorjahr auf 47 Prozent, der Anteil des Lebensmittelhandels hingegen stieg von 35,5 auf 38 Prozent. Auch der Anteil der Endverbraucher erhöhte sich leicht von 14,5 auf 15 Prozent.
Der zum Ende des Berichtsjahres im Keller eingelagerte Weinvorrat stieg von 2,7 Millionen Litern im Vorjahr auf 3,1 Millionen Liter. Davon sind 90 Prozent aus dem Jahr 2004, neun Prozent aus dem Jahr 2003 und ein Prozent sind ältere Jahrgänge. Im Herbst 2004, den der Vorstandsvorsitzende Friedrich Schill als ?Wunschjahrgang in Qualität und Quantität? bezeichnete, wurden 4,5 Millionen Kilogramm Trauben angeliefert, im Jahr davor waren es 3,4 Millionen Kilogramm. Im Herbst 2005 wurden 3,9 Millionen Kilogramm Trauben angeliefert.
Einen Rückblick auf den Herbst 2005 gab Kellermeister Wolfgang Schupp. So wurden an insgesamt 25 Lesetagen fast 3,2 Millionen Liter eingelagert. Teilweise habe man mit Essigproblemen zu kämpfen gehabt.
Insgesamt zeigte sich Schupp aber zufrieden. Es sei ein schöner Herbst gewesen mit optimal verteilten Anlieferungsmengen und immer besser werdendem Wetter. Die Weißweine seien frisch, lebendig, mit sehr feinen Fruchtnoten und idealer Säure. Die Rotweine seien kräftig mit feinen Fruchtkomponenten.
Das Berichtsjahr sei geprägt gewesen durch die Planung des neuen Verkaufsgebäudes, erläuterte Schill. Nachdem am 31. März 2005 der erste Spatenstich stattgefunden hatte, ist der Umzug in das neue Gebäude für Anfang Juni 2006 geplant. Die offizielle Einweihung soll am 22. und 23. Juli veranstaltet werden. Der Kostenrahmen von rund 2,8 Millionen Euro könne, so Schill, erfreulicherweise gut eingehalten werden.
Außerdem hatte man zwei neue Pumpen angeschafft, und ein Filter musste für rund 65 000 bis 70 000 Euro repariert werden. Schill erläuterte, dass die Ersatzbeschaffung eines Gabelstaplers anstehe sowie der Kauf eines weiteren Staplers. In den nächsten Monaten sollen auch mehrere Gärtanks für Rotwein angeschafft werden.
Äußerst zufrieden zeigten sich die Verantwortlichen über die zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen, die die Winzergenossenschaft im Geschäftsjahr 2004/2005 erhalten hatte, darunter 31 Goldmedaillen und eine ?Top-Ten-Platzierung? bei der Landesweinprämierung. ?Wir sind mit unserer Weinqualität auf einem guten Weg. Auch vor führenden Mitbewerbern brauchen wir keine Scheu zu haben? , brachte Schill es auf den Punkt.
Das laufende Geschäftsjahr bezeichnete Hofschneider als Berg- und Talfahrt. So habe lediglich der sehr gute Umsatz im Dezember das Ergebnis der ersten fünf Monate auffangen können. Die Diskussion um die Arbeit der Weinwerbezentrale bezeichnete Schill als ?Trauerspiel? . Jeder meine, er käme zu kurz. Eine solche Zerrissenheit habe in der heutigen Zeit jedoch keinen Platz, Gemeinschaftswerbung könne nicht Werbung für einen Einzelnen heißen. Das gute Image des badischen Weines insgesamt sei wichtig. Auch Hofschneider betonte, dass die WG Oberbergen voll und ganz hinter der Institution stehe.
Zum Weinhandelsabkommen zwischen der EU und den USA, bei dem ohne Kennzeichnungspflicht mit Wasser versetzte Weine und Weine, die mit Hilfe hochtechnischer Verfahren zunächst in ihre Einzelteile zerlegt und anschließend wieder zusammengesetzt wurden, importiert werden dürfen, forderte Hofschneider, dass die deutsche Weinwirtschaft verstärkt auf die traditionellen Verfahrensweisen hinweisen müsse. Er betonte, dass man den heimischen Markt noch mehr für die regionalen Produkte sensibilisieren und begeistern müsse.
Bei den turnusmäßigen Wahlen wurde Gottfried Gut als Vorstandsmitglied wiedergewählt, während Bernhard Flesch und Bernd Gut - ebenfalls nach einstimmigem Votum - auch weiterhin dem Aufsichtsrat angehören werden.
Anschließend zeichneten Schill und Hofschneider einige Mitglieder für langjährige Treue zur Genossenschaft aus. Seit 25 Jahren dabei sind Josef König, Anton Schill, Werner Köster, Anna Gut, Georg Engist, Elisabeth Weisenhorn und Bernd Probst. Auf 40-jährige Mitgliedschaft zurückblicken können Eugen Baumgartner, Franz Gut, Hans Wolf und Alfons Schätzle. Bereits seit 50 Jahren Mitglied der WG Oberbergen ist Elise Ipser.