Ausgabe Kaiserstuhl
Badische Zeitung vom Samstag, 19. Januar 2008
Eine Bilanz zum Genießen
Winzergenossenschaft Oberbergen steigert Absatz, Umsatz und die Auszahlung an die Mitglieder
Von unserem Redakteur Gerold Zink
VOGTSBURG-OBERBERGEN. Die Winzergenossenschaft Oberbergen hat im Geschäftsjahr 2006/2007 (1. Juli bis 30. Juni) ein hervorragendes Ergebnis erzielt: Absatz, Umsatz und das Traubengeld der Mitglieder konnten gesteigert werden. Einziger Wermutstropfen: Im Keller lagert zu wenig Wein, um alle Wünsche der Kunden erfüllen zu können.
Geschäftsführer Rolf Hofschneider war in der Mitgliederversammlung am Donnerstagabend die Freude über die sehr guten Zahlen deutlich anzumerken. So hat das Unternehmen seinen Weinabsatz um 4,5 Prozent von 3,05 auf 3,18 Millionen Liter gesteigert. Der Umsatz stieg gar um 5,6 Prozent auf 8,7 Millionen Euro, dem höchsten Wert der vergangenen 5 Jahre. Der Erlös je Liter Wein erhöhte sich um 4 Cent auf 2,72 Euro. Die Winzer erhielten für ihre Trauben trotz einer Sonderabschreibung auf das neue Verkaufsgebäude 2,5 Prozent mehr Geld. Mit ihrer Auszahlung liegt die WG Oberbergen mit an der Spitze des Kaiserstuhls und im oberen Drittel in Baden.
Die Ertragsrebfläche stieg weiter von 329 auf 336 Hektar, die Zahl der Mitglieder von 452 auf 453. 39 Prozent der Weine wurden an den Fachhandel und an C & C-Märkte verkauft, ebenfalls zusammen 39 Prozent an den Lebensmittelhandel und an Discounter. 7 Prozent der Tropfen wurden in der Gastronomie und 15 Prozent an Privatkunden abgesetzt.
Der Rebsortenspiegel blieb fast unverändert bei 36 Prozent Müller-Thurgau, 30 Prozent Spät-, 22 Prozent Grau- und 7 Prozent Weißburgunder. Der Weißwein ist auch in der WG Oberbergen knapp, besonders der Grauburgunder, bei dem die Lage laut Hofschneider "dramatisch" ist. Rotwein gibt es dagegen ? wie überall ? genug. "Wir wollen nicht auf Teufel komm raus rote Rebsorten durch weiße ersetzen, in Grenzbereichen kann dies aber durchaus sinnvoll sein" , betonte der Vorstandsvorsitzende Friedrich Schill.
Die Kosten je Liter erhöhten sich in dem Unternehmen um 8 Cent, dennoch produziert am Kaiserstuhl keine andere Genossenschaft so günstig wie die WG Oberbergen. Der Anteil der 0,75-Literflaschen ist auf 46 Prozent gestiegen, die Zahl der 0,25-Literflaschen konnte gar auf über 85 000 fast verdoppelt werden.
Sorgen bereiten Hofschneider und Schill die stark steigenden Preise bei Glas und Verpackungen sowie die geringen Vorräte im Keller. Letztere reduzierten sich von 3,1 auf 2,6 Millionen Liter und reichen noch für 10 Verkaufsmonate. "Leider müssen wir derzeit mit angezogener Handbremse verkaufen" , erklärte Hofschneider, klar sei deshalb, dass das sehr gute Ergebnis im Geschäftsjahr 2007/2008 nicht zu wiederholen sei. Erfreulich sei allerdings, dass in den vergangenen Monaten der Durchschnittserlös je Liter kräftig nach oben geklettert sei. Größere Aufträge habe man von der Fluggesellschaft TUI-Fly und der Hotelkette Maritim erhalten.
Im neuen Verkaufsgebäude haben 2007 über 130 Veranstaltungen stattgefunden. Die veranschlagte Summe für den Neubau von 2,9 Millionen Euro habe die Verwaltung durch ein strenges Kostenmanagement sogar reduzieren können. "Darauf sind wir stolz" , betonte der Geschäftsführer, der wie Schill allen Mitarbeitern und Verantwortlichen herzlich dafür dankte, dass sie die zusätzlichen Belastungen mitgetragen haben.
Schill kündigte weitere Investitionen in das Unternehmen an, "denn wir wollen technisch immer auf dem neuesten Stand sein" . Der Vorstandsvorsitzende freute sich über viele Medaillen und Auszeichnungen, die der Betrieb für seine Weine erhalten hat und forderte alle Winzer dazu auf, weiter konsequent auf Qualität zu setzen. So sei das Projekt "Traubenteilung" ein großer Erfolg gewesen.
Kellermeister Wolfgang Schupp kredenzte den Mitgliedern 2 Rotweine: einen normalen Qualitätswein und einen Tropfen, für den die Trauben geteilt worden waren. Der Unterschied war frappierend. Der Wein aus der Traubenteilung wies deutlich mehr Aromen, Körper und Dichte auf. "Es gibt genügend Rotwein auf dem Markt, deshalb müssen wir durch Qualität überzeugen" , betonte der Kellermeister. Die Ernte 2007 sei qualitativ außerordentlich gut gewesen, die Menge mit 2,9 Millionen Litern (85 Liter je Ar) jedoch nicht gerade groß.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Kilian Schneider betonte, dass auch auf die WG Oberbergen immer wieder neue Herausforderungen warten. So wisse heute noch niemand, ob in 10 oder 20 Jahren 336 Hektar noch eine ausreichende Betriebsgröße darstellen. Vielleicht mache es Sinn, in eine moderne Abfülltechnik zu investieren und diese dann auch anderen Betrieben zur Verfügung zu stellen.
Gemeinsam mit Dieter Holland, Prüfer beim Badischen Genossenschaftsverband in Karlsruhe, würdigte Schneider das Engagement von Klaus Baumgartner, der nach 18 Jahren aus dem Aufsichtsrat ausschied, "um einem Jüngeren Platz zu machen" , wie er betonte. Als Höhepunkte seiner Amtszeit bezeichnete Baumgartner die Fusion mit der WG Schelingen und die Planung des Neubaus.
Schneider würdigte Baumgartners "weinfrohe und kompetente Art" , er sei einfach ein "Oberbergener Original" . Holland nannte Baumgartner ein "Bindeglied zwischen Winzern und Verwaltung" . Er habe die Geschicke der Genossenschaft mitgeprägt und nie die Verantwortung gescheut. Holland überreichte Baumgartner die silberne Ehrennadel des Badischen Genossenschaftsverbandes.
Für Baumgartner rückt Florian Schneider in den Aufsichtsrat nach, der sich bei der Wahl mit 92 zu 57 Stimmen gegen Bruno Stocker durchsetzte. Erneut in den Aufsichtsrat gewählt wurde Karl Essig und auch Rudolf Stocker bleibt der WG als Vorstandsmitglied erhalten.